3. Nationalism in India (Nationalismus in Indien)
Indiens wahre Aufgabe liegt nieht auf dem
Gebiete del' Politik; sie ist sozialer Art. Dnd
dies ist nieht nul' in Indien, sondern in uberwiegendem
MaBe bei allen Volkern del' Fall.
Ieh glaube nieht an ein aussehlieBlieh politisehes
Interesse. 1m Westen hat die Politik auf die
Ideale beherrsehenden EinfluB gehabt, und wir
Inder versuehen, eurem Beispiel zu folgen. Wir
mussen bedenken, daB in Europa, wo die Volker
von Anfang an ihre Rasseneinheit hatten und
wo die Natur den Bewohnern nieht genug bot,
um ihre Bedfufnisse zu befriedigen, die Kultur
ganz von selbst den Charakter politiseher und
kommerzieller AggressiviUit annenmen muBte.
Denn einerseits hatten sie keine innern Sehwierigkeiten,
und andererseits hatten sie es mit Nachbarn
zu tun, die stark und raublustig waren.
So sehien ihre einzige Aufgabe zu sein, naeh
innen fest zusammenzuhalten und naeh auBen
eine waehsame und feindselige Haltung zu wahren.
In friiheren Zeiten organisierten sie sieh, urn zu
plundern, heute ist del' Geist, del' bei ihnen
herrseht, derselbe - sie organisiel'en, urn die
ganze Welt auszubeuten.
Aber
seit den ersten Anfangen unserer Gesehiehte
hat Indien besUindig sein Problem VOl'
Augen gehabt - das Rassenproblem. Jedes Volk
muB sieh seiner Mission bewuBt sein, und wir
Inder mussen uns klarmaehen, daB wir eine
armselige Rolle spielen, wenn wir versuehen,
Politik zu treiben, nul' weil wir es noeh nieht
fertig gebraeht haben, das zu leisten, was die
Vorsehung uns aufgegeben hat.
Vor dies Problem del' Rasseneinheit, das wlr
so viele Jahre lang zu liisen versueht haben,
seid aueh ihl' hier in Amerika gestellt. Viele
Leute in diesem Lande fragen mieh, wie es mit
den Kastenuntersehieden in Indien sei. Abel'
wenn sie diese Frage an mieh riehten, so tun
sie es gewohnlieh mit uberlegener Miene. Und
ich fiihle mich versucht, unseren amerikanischen
Kritikern dieselbe Frage zu stellen, nur mit einer
kleinen Abanderung: "Was habt ihr eigentlich
mit dem 1ndianer und dem Neger gemacht?"
Denn ihnen gegenuber seid ihr uber euren
Kastengeist noch nicht hinausgekommen. 1hr
habt gewaltsame Methoden angewandt, um andere
Rassen von euch fernzuhalten, aber solange
ihr hier in Amerika nicht die Frage gelost habt,
habt ihr kein Recht, 1ndien zu fragen.
Jedoch trotz der groBen Schwierigkeit hat 1ndien
etwas getan. Es hat versucht, die Rassen
einander anzupassen, die wirklichen Unterschiede,
da wo sie existieren, bestehen zu lassen
>rnd doch eine gemeinsame Basis zu finden.
Diese Basis haben unsere heiligen Mariner wie
Nanak, Kabir, Tschaitanja und andere gefunden,
die allen Rassen 1ndiens den einen Gott predigten.
Wenn wir die LBsung unseres Problems gefunden
haben, so haben wir damit zugleich geholfen,
das Weltproblem zu IBsen. Denn was
Indien gewesen ist, das ist die ganze Welt jetzt.
Die Welt ist im Begriff, durch die technischen
Erleichterungen zu einem einzigen Lande zu
werden. Dnd der Augenblick kommt, wo ihr
auch nach einer Basis fur eure Einheit suchen
muBt, die nicht politischer Art ist. Wenn Indien
seine Aufgabe gelost hat, so hat es dies
fUr die gauze Menschheit getan. Es gibt uberhaupt
nur eine Geschichte - die Geschichte des
Menschen. Die Geschichten der Volker sind nur
einzelne Kapitel dieser groBen Geschichte. Dnd
wir Inder wollen gern fUr eine so groBe Sache
leiden.
Jedes Individuum hat
seme Selbstliebe. Daher
wird es von seinem tierischen Instinkt getrieben,
nur urn seines eigenen Interesses willen
mit andern zU kampfen. Aber der Mensch hat
auch seine hoheren Instinkte: MitgefUhl und
Hilfsbereitschaft. Die Menschen, denen eS an
dieser hOheren sittlichen Kraft fehlt und die sich
daher nicht mit andern zu einer Gemeinschaft
verbinden konnen, mussen umkommen oder in
einem Zustande der Erniedrigung leben. Nur
die Volker haben fortgelebt und es zur Kultur-
gebracht, in denen dieser Gemeinschaftsgeist stark
lebendig ist. So finden wir, daB vom Anfang
der Geschichte an die Menschen zu wahlen
hatten zwischen Kampf und Gemeinschaft, Eigen-
. interesse und Allgemeininteresse.
In den Zeiten unserer fruhen Geschichte, als
die geographischen Grenzen des einzelnen Landes
nur klein und die Verkehrsmijglichkeiten gering
waren, hatte auch dies Problem nur verhaltnismaBig
geringen Umfang. Es geniigte, wenn die
Menschen ihr Gemeinschaftsgefiihl nur innerhalb
der Grenzen ihres abgesonderten Gebiets
entwickelten. Zu jenen Zeiten schlossen sie sich
zusammen und kampften gegen andere. Aber
es war dies sittliche Gefiihl der Gemeinschaft,
das die wahre Grundlage ihrer GrijBe wurde,
auf der sich Kunst, Wissenschaft und Religion
entwickeln konnten. In jenen fruhen Zeiten war
die wichtigste Tatsache, deren der Mensch sich
bewuBt sein muBte, daB er in einer engeren
Rassengemeinschaft lebte. Wem diese Tatsache
wahrhaft in sein sittliches BewuBtsein eingegangen
war, der machte sich um die Geschichte verdient.
Die wichtigste Tatsache der heutigen Zeit ist,
daB die verschiedenen Menschenrassen in nahe
Beriihrung miteinander gekonunen sind. Und
wieder haben wir zwischen zwei Wegen die
''Va1U: die Frage ist, ob die verschiedenen Viilkergruppen
fortfahren sollen einander zu bekampfen
oder 0 b sie versuchen sollen, eine Grundlage fUr
Versiihnung und gegenseitige Hilfe zu finden;
ob ewiger Wettstreit oder Zusanunenarbeiten die
Losung sein soll.
!ch bin gewiB,
daB die, die mit der sittlichen
Kraft der Liebe und dem Ideal einer geistigen
Einheit unter den Viilkern begnadet sind, die
am wenigsten von Feindseligkeit den fremden
Nationen gegeniiber wissen und Verstandnis und
MitgefUhl genug haben, urn sich in die Lage
der andern zu versetzen, ich glaube, daB diese
die Geeignetsten sein werden, ihren Platz in dem
kommenden Zeitalter zu behaupten, wahrend die,
die bestiindig ihren angeborenen Trieb zu Kampf
und Unduldsamkeit pflegen, untergehen werden.
Denn dies ist das Problem, das jetzt vor uns
liegt, und wir miissen unser hoheres Menschentum
dadureh beweisen, daB wir es auf sittliehem
Wege liisen. Die riesigen Organisationen, die
dazu dienen, andere anzugreifen und ihre Angriffe
abzuwehren, Geld zu erringen, indem man
andere beiseite stiiBt, diese werden uns nieht
helfen. 1m Gegenteil, dureh ihr zermalmendes
Gewicht, ihre ungeheuren Kosten und ihre ertiitende
Wirkung auf das lebendige Mensehentum
werden sie unsere Kraft in dem groBziigigeren
Leben einer hiiheren Kuhur ernstlieh
gefahrden.
Als die Nation noeh
in der Entwicklung begriffen
war, da war die sittliehe Kuhur der
Briiderliehkeit in geographisehe Grenzen einge_
sehlossen, weil damals jene Grenzen aueh wirkliehe
Grenzen waren. Jetzt sind sie zu traditionellen
Linien geworden, die nur in der Einbildung
bestehen und den Charakter wirklicher
Schranken verloren haben. So ist die Zeit gekommen,
wo die sittliehe Natur des Mensehen
in aHem Ernst mit dieser wiehtigen Tatsaehe
rechnen oder sieh verloren geben muB. Die erste
Folge von diesem Weehsel der Um~tiinde war,
daB die niederen Leidenschaften des Menschen,
Gier und wilder HaB, jah emporschaumten. Wenn
dies unbegrenzt weitergeht, wenn die Kriegsrustungen
immer weiter bis ins Phantastische
und Sinnlose gesteigert werden, wenn Maschinen
und Lagerhiiuser mit ihrem Rauch und Schmutz
und mit all ihrer ScheuBlichkeit diese schone
Erde einhullen, so wird sie in einem Weltbrand
ein selbstmorderisches Ende nehrnen. Daher muE
der Mensch die ganze Kraft seiner Liebe und
seines schauenden Geistes anstrengen, urn eme
neue sittliche Ordnung aufzurichten, die die ganze
Menschheit umfaEt und nicht nur einzelne Nationen,
die immer nur einen Bruchteil ausmachen.
Der Ruf ergeht heute an jeden Einzelnen, sich
und seine Umgebung vorzubereiten fur die
Morgendiimmerung einer neuen Weltperiode, wo
der Mensch in der geistigen Einheit aner menschlichen
Wesen seine Seele entdecken wird.
Wenn es iiberhaupt dem Westen beschieden
ist, aus diesem Gestriipp der tieferen Abhiinge
sich zu dem geistigen Gipfel der Menschheit
emporzuarbeiten, so ist es, glaube ich, die be
sondere Mission Amerikas, diese Hoffnung Gottes
und der Menschheit zu erfiillen. Ihr seid das
Land der Erwartung, das iiber das Gegebene
hinausstrebt. Europa hat seine geistigen Gewohnheiten
und Konventionen. Aber Amerika hat
sich bis jetzt noch nirgends festgeIegt. Mir ist
klar geworden, wie frei Amerika von allen Traditionen
der Vergangenheit ist, und ich weiB die
Neigung zum Experimentieren als ein Zeichen
seiner Jugend zu schatzen. Amerikas Ruhm und
GroBe gliindet sich mehr auf die Zukunft als
auf die Vergangenheit, und wer die Gabe des
Hellsehens hat, wird das Amerika der Zukunft
lieben mussen.
Amerika hat die
Aufgabe, dem Osten gegeniiber
die westliche KuItur zu rechtfertigen.
Europa hat den Glauben an die Menschheit verloren
und ist miBtrauisch und kranklich geworden.
Amerika dagegen ist weder pessimistisch
noch blasiert. Ihr wiBt als Volk, daB, wenn man
das Gute hat, man das Bessere und Beste suchen
kann, und daB man um so mehr zu wissen
strebt, je mehr man weiB. Traditionen aber
und Gewohnheiten bewirken das Gegenteil. Und
es gibt Gewohnheiten, die nicht nur durch trages
Beharren hemmen, sondern anmaBend und aggressiv
sind. Sie sind nicht bloBe Mauern, sondern
stachlige Distelhecken. Europa hat jahrelang
diese Hecken von Gewohnheiten groBgezogen,
bis sie es dicht und stark und hoch eingeschlossen
haben. Der Stolz auf seine Traditionen
hat tief in seinem Herzen Wurzel geschlagen.
Ich will nicht behaupten, daB diesel'
Stolz unbel'echtigt ist. Aber jede Art von Stolz
macht schlieBlich blind. Wie bei allen kUnstlichen
Reizroitteln ist seine erste Wirkung eine
Erhlihung des LebensgefUhls, abel' bei vermehrter
Dosis wird das BewuBtsein getriibt und ein Rausch
el'zeugt, der es irrefiihrt. Europas Hel'z hat ,sich
allmahlich verhal'tet in dem Stolz auf seine
Traditionen. Es kann nicht nur nicht vergessen,
daB es del' kultivierte Westen ist, sondern el'greift
auch jede Gelegenheit, andern die Tatsache
ins Gesicht zu schleudern, um sie zU demiitigen.
Dadurch macht es sich unfahig, sowohl dero Osten
sein Bestes zu geben als auch im rechten Geiste
die Weisheit aufzunehmen, die der Osten seit
Jahrhunderten aufgespeichert hat.
In Amerika haben nationale Gewohnheiten und
Traditionen noch nicht Zeit gehabt, ihre klammernden
Wurzeln urn euer Herz zu schlagen,
Ihr habt besHindig die Nachteile auf eurer Seite
empfunden und beklagt, wenn ihr eure nomadische
Ruhelosigkeit mit den festen Traditionen
Europas vergleicht, jenes Europas, das .das Bild
seiner GroBe so wirkungsvoil vom Hintergrund
seiner Vergangenheit sich abheben lassen kann,
Aber in dieser gegenwartigen Ubergangszeit, wo
em neues Zeitalter der Kultur seinen Trompeten_
ruf erschailen laBt an aile Volker der Welt in
eine unbegrenzte Zukunft hinein, da wird gerade
diese Ungebundenheit euch befahigen, seinem Ruf
zu folgen und das Ziel zu erreichen, das Europa
erstrebte, aber zu dem es auf halbem Wege
stecken blieb. Denn es lie13 sich durch den Stolz
auf seine Macht und durch die Gier nach Besitz
von seiner Bahn ablocken.
Nicht
nur die Freiheit der Einzelnen von festen
Denkgewohnheiten, sondern auch die Freiheit
eurer Geschichte von allen Verwicklungen, die
sie hatten beflecken kiinnen, rnacht euch fahig,
die Bannertrager der kilnftigen Kultur Zu sein.
Alle groBen Nationen Europas haben irgendwo
in der Welt ihre Opfer. Dies ertOtet wcht nur
ihre seelische, sondern auch ihre intellektuelle
Sympathie, die ZUrn Verstandnis frernder Rassen
so niitig ist. Die Engl;;nder kiinnen Indien nie
wahrhaft verstehen, weil ihr Geist in bezug auf
dies Land nicht frei von eigenniitzigern Interesse
ist. Wenn rnan England mit Deutschland oder
Frankreich vergleicht, sO findet man, daB es die
kleinste Anzahl von Gelehrten aufzuweisen hat,
die indische Literatur und Philosophie mit einem
gewissen Grad von Verstandnis und Grilndlichkelt
studiert haben. Diese Haltuug von Gleichgiiltigkeit
und Verachtung ist nattirlich, wO das
Verhiiltnis unnormal und auf nationalen Stolz
und Egoisrnus gegrilndet ist. Aber eure Geschichte
ist selbstlos gewesen, und daher habt
ihr Japan helfen kiinnen, als es nach westlicher
Kultur verlangte i daher kann auch China in
seiner gegenwartigen so schwer wie noch we bedrohten
Lage auf euch seine beste Hoffnung setzen.
Ja, ihr tragt die ganze Verantwortung rur eine groBe
Zukunft, weil illr nicht in den Klauen einer engherzigen
Vergangenheit zuriickgehalten werdet.
Daher muB von allen Volkern del' Erde Amerika
am festesten diese Zukunft ins Auge fassen; es darf
seinen Blick nicht triiben lassen, und sein Glaube
an die Menschheit muB jugendlich stark bleiben.
Eine Ahnlichkeit besteht zwischen Amerika
und Indien: beide miissen verschiedene Rassen
zu einer Einheit verschmelzen.
In meineni Lande haben wir versucht, etwas
zu linden, was allen Rassen gemeinsam ist und
worauf sich ihre wirkliche Einheit griinden laBt.
Eine Nation, die diese Einheit auf eine rein
politis~he odeI' wirtschaftliche Basis zu griinden
sucht, wird finden, daB diese Basis nicht geniigt.
Denkende und einfluBreiche Manner werden entdecken,
worin diese geistige Einheit besteht, sie
werder, sich ihr Bild im Geiste ausmalen und
es illrem Yolk verkiinden.
Indien hat nie den wirklichen Sinn rur Nationalismus
gehabt. Obgleich man mich von
klein auf gelehrt hat, daB del' Glitzendienst del'
Nation fast noeh bessel' ist als die Ehrfureht VOl'
Gott und del' Mensehheit, SO bin ieh, glaube ieh,
doeh diesel' Lehre entwaehsel1, und ieh bin liberzeugt,
daB rneine Landsleute ihr Indien in Wahrheit
dadureh gewinnen werden, daB sie gegen
eine Lehre karnpfen, die ihnen sagt, ein Land
stiinde hOher als die Ideale del' Mensehheit.
Del' gebildete Inder versucht heutzutage,Lehren
aus del' Gesehiehte zU entnehrnen, die den Lehren
unserer Vorfahren widerspreehen. la, del' Osten
versueht, sieh eine Gesehiehte anzueignen, die
gar nicht das Ergebnis seines eigenen Lebens ist.
Japan zum Beispiel glaubt, dadureh rnaehtig zU
werden, daB es europiiisehe Methoden iibernirnmt,
abel' naehdem es sein eigenes Erbe vergeudet
hat, wird es nur die geborgten Waffen del'·auBeren
Kultur in del' Hand behalten. Denn eS hat sich
nieht au•S sieh heraus entwiekelt.
Europa hat seine Vergangenheit. Europas
Starke liegt daher in seiner Geschiehte. Wir in
Indien rnUssen unS klarrnaehen, daB wir nicht
die Gesehiehte eines andern Volkes ubernehmen
konnen und daB wir Selbstmord begehen, wenn
wir unsere eigene ersticken. WeI' seinem Leben
kfulstlich etwas Fremdes aufsetzt, del' erdriickt es.
Und daher glaube ich, daB es nicht gut fUr
lnmen ist, wenn es sich mit del' westlichen Kul_
tur auf ihrem Felde zu messen sucht. Wenn
WIr dagegen del' uns vom Schicksal gewiesenen
Bahn treu bleiben, so werden uns aIle Schma_
hungen, mit denen man uns Uberhaufen mag,
reichlich vergUtet werden.
Es
gibt Lehren, die uns unterweisen und uns
zu geistiger Arbeit tUchtig machen. Diese sind
einfach und kiinnen mit Nutzen erworben und
angewandt werden. Abel' es gibt andere, die
uns tiefer berUhren und unsere Lebensrichtung
andern. Bevor wir sie annehmen und ihren Wert
mit unserem eigenen Erbe bezahlen, mUssen wir
Halt machen und ernsthaft nachdenken. Es
kommen in del' menschlichen Geschichte zuweilen
Perioden, wo gewaltige Ereignisse Wle
Feuerwerke uns blenden durch ihre Starke und
Schnelligkeit. Sie verlachen nicht nul' die bescheidenen
Lampen unseres Heims, sondern auch
die ewigen Sterne. Aber laBt uns durch ihre
Herausforderung nicht zu dem Wunsch gereizt
werden, unsere Lampen wegzuwerfen. LaBt uns
geduldig den gegenwartigen Schimpf ertragen
und bedenken, daB diese Feuerwerke wohl
hellen Glanz, aber keine Dauer haben wegen
ihrer groBen Explosionskraft, die die Ursache
ihrer Starke, aber auch zugleich die ihres
schnellen ErlOschens ist. Sie verbrauchen ein
verhangnisvolles Quantum von Energie und Substanz
im Verhiiltnis zu dem, was sie leisten und
einbringen.
Jedenfalls sind
unsere Ideale durch unsere
eigene Geschichte entwickelt worden, und wenn
wir ein Feuerwerk aus ihnen machen woJlten,
so wilrde es doch nur klaglich ausfallen, da sie
aus anderem Stoff sind als eure, wie auch ihr
sittliches Ziel ein anderes ist. Wenn wir den
Wunsch hegen, unsere ganze Habe gegen politischen
Nationalismus einzutauschen, so ist dies
ebenso unsinnig, als wenn die Schweiz ihr Leben
an die Erfiillung des ehrgeizigen Wunsches setzte,
eine FlottezU bauen, die es mit der englischen
aufnehmen konnte. Del' Fehler, den wir machen,
ist del', daB wir glauben, es gabe nul' ~inen Weg
zu menschlicher GroBe - den, den wir heute
zu unserem Schmerz als breite StraBe iiber die
Welt des Westens laufen sehen und auf clem
fI'eche AnmaBung die Fiihrerin ist.
Wir miissen die GewiBheit haben, daB eine
Zukunft VOl' uns liegt und daB diese Zukunft
die erwartet, welche reich an sittlichen Jdealen
sind und nicht an bloBen Dingen. Und es ist
das Vorrecht des Menschen, fUr Friichte zu arbeiten,
die er noch nicht sogleich sammeln kann,
und sein Leben nicht durch den Erfolg des Augen_
blicks bestimmen zu lassen odeI' auch durch eine
vorsichtige, in ihren Zielen begrenzte Vergangen_
heit, sondem durch eine unendliche Zukunft, die
unsere hochsten Ideale in sich birgt.
Wir miissen erkennen, daB die gottliche Vorsehung
selbst den Westen nach Jndien fiihrte.
Und doch muB jemand kommen, derdem Westen
den Osten deutet und ihm klarmacht, daB del'
Osten sein Teil beizusteuem hat zur Geschichte
del' Kuhur. Jndien kommt nicht als BettIeI' zum
Westen. Und mag auch der Westen dies glauben,
so rate ich doch nicht, daB wir die westliche
Kultur verschmahen und uns in stolzer Unabhangigkeit
absondern. Nein, laBt tillS uns innerlich
mit ihm tief verbinden. Wenn die Vorsehung
England dazu ausersehen hat, daB es
diesen Bund, diesen inneren Bund, stifle und
leite, so will ich mich dem in aller Demut beugen.
Ich habe einen groBen Glauben an die menschliche
Natur, und so glaube ich auch, daB der
'Vesten seine wahre Mission erkennen wird. Ich
spreche mit Bitterkeit von der westlichen Kultur,
wenn ich sehe, wie sie das ihr Anvertraute verrat
und ihrem eigenen Ziel entgegenarbeitet.
Der Westen darf sich nicht zu einem Fluchfiir
die Welt machen, indem er seine Macht zu selbstischen
Zwecken braucht, sondern dadurch, daB
er die Unwissenden belehrt und den Schwachen
hilft, sollte er sich vor der Gefahr schiitzen, die
demStarken drohen kann, wenn er den Schwachen
stark genug werden laBt, seinem Eindringen zu
widerstehen. Auch muB er seinen Materialismus
nicht als das Hochste und Letzte predigen, son-
dern er muB erkennen, daB er sich urn die
Menschheit verdient macht, wenn er deh Geist
von der Tyrannei der Materie befreit.
Ich wende mich nicht gegen eine Nation im
besonderen, sondern gegen Nationen im allgemeinen.
Was ist eine Nation?
Es ist die
Erscheinung eines ganzen Volkes
als organisierte Macht. Diese Organisation zielt
bestiindig dahin, daB die BevOlkerung stark und
leistungsfahig werde. Aber dies rastlose Streben
nach Starke und' Leistungsfahigkeit entzieht der
hoheren Natur des Menschen, die ihn aufopfemd
und schopferisch machte, ihre Kraft. Seine
Opferfahigkeit wird von ihrem eigentlichen, sitt_
lichen und lebendigen Ziel abgelenkt auf ein
mechanisches und lebloses, die Erhaltung dieser
Organisation. Dnd doch fiihIt er in der Erreichung
dieses Zieles die ganze Genugtuung
sittlicher Erhebung und wird daher der Menschheit
iiuBerst gefahrlich. Er fuhIt sich in seinem
Gewissen beruhigt, wenn er seine Verantwort_
lichkeit auf diese Maschine schieben kann, die
eine Schopfung seines IntelIekts und nicht seiner
ganzen sittlichen Personlichkeit ist. So kommt
es, daB das Volk, welches die Freiheit liebt, in
einem groBen Teil der Welt die Sklaverei fortbestehen
laBt mit dem wohltuenden Gefiihl des
Stolzes, seine Pflicht getan zu haben. Menschen,
die von Natur gerecht sind, konnen sowohl im
Handeln wie im Denken grausam ungerecht sein
und dabei das Gefiihl haben, daB sie den Menschen
nur zu dem verhelfen, was sie verdienen.
Menschen, die sonst ehrlich sind, konnen, ohne
zu wissen, was sie tun, andem dauernd ihr
Menschenrecht auf hohere Entwicklung rauben
und dabei die Beraubten schmahen, daB sie keine
bessere Behandlung verdient hatten. Wir haben
im tiiglichen Leben gesehen, wie sogar kleine Geschafts-
und Berufsorganisationen Menschen, die
von Natur nicht schlecht sind, gefiihllos machen,
und wir konnen uns wohl vorstellen, welch eine
Zersttirung in der sittlichen Welt angerichtet wird,
wenn ganze Volker sich mit rasendem Eifer organisieren,
urn Macht und Reichtum zu gewinnen.
Der Nationalismus ist eine sehr schwere Gefahr.
Er ist seit Jahren die Ursache von allen
Leiden lndiens. Und da wlr von einer Nation
regiert und beherrscht werden, die in ihrer Haltlmg
ausschIie13lich politisch ist, haben wir trotz
des Erbes unserer Vergangenheit versucht, den
Glauben in uns zu entwickeIn, daB wir auch
vielleicht eine politische Aufgabe haben.
Es gibt in lndien verschiedene Parteien, die
ihre verschiedenen ldeale haben. Einige streben
nach politischer Unabhangigkeit. Andere glauben,
daB die Zeit dazu noch nicht gekommen ist,
aber sie meinen, lndien sollte die Rechte der
englischen Kolonien haben. Sie wollen so weit
wie moglich Selbstregierung.
Als die politische Bewegung in lndien anfing,
da gab es noch keinen Parteistreit wie heute.
Damals gab es eine Partei, die sich lndischer
KongreB nannte. Sie hatte kein wirkliches Programm;
sie wies auf einige MiBstande hin und
forderte ihre Abstellung von seiten der Behorden.
Sie wiinschte eine groBere Vertretung im Regierungsrat
und mehr Freiheit in der Gemeindeverwaltung.
Sie verlangte Iauter Kleinigkeiten,
aber sie hatte kein aufbauendes Ideal. Daher
konnte ich mich fUr ihr Vorgehen nicht begeistern.
Es war meine Uberzeugung, daB das,
was Indien am meisten braucht, schtipferische,
aus seinem eigenen Geist geborene Arbeit ist.
Und bei diesel' Arbeit mUssen wir alle Gefahren
auf uns nehmen und selbst noch in des Verfolgers
Rachen nicht aufhtiren, unsere uns vom
Schicksal auferlegte Pflicht zu tun, und so durch
Leiden und MiBerfolg bei jedem Schritt moralische
Siege gewinnen. Wir mUssen denen Uber
uns zeigen, daB wir sittliche Kraft und Starke
haben, fUr die Wahrheit zu leiden. Raben wir
abel' selbeI' nichts aufzuweisen, so ktinnen wir
nul' betteln. Es wlirde verderblich flir uns sein,
wenn uns die Gaben, urn die wir bitten, sogleich
gewahrt wurden, und ich habe meinen Landsleuten
immer wieder gesagt, daB sie sich zusammenschlieBen
sollen, nicht urn zu betteln, sondern urn Mtiglichkeiten zu schaffen,
daB unser
Geist del' Selbstaufopferung sich wirksam erweisen
kann.
Del' Indische KongreB
verlor jedoch an EinfluB,
da das Volk bald sah, wie nutzlos die Halb-
heit seiner politiFchen BeFtreb\;lngen war. Die
Partei spaltete sich, und es bildeten Fieh die
Radikalen, die die bisherige Methode des Bittens
- die leiehteste Methode, sieh der Verantwort_
liehkeit gegen sein Land zu entschlagen - verwarfen
und fUr absolute Freiheit des Handelns
eintraten. 1hre 1deale grundeten sieh auf die
Geschiehte des Westens. Sie hatten kein Geli1hl
fur die besonderen Probleme 1ndiens. Sie er_
kannlen die offenbare Tatsache nieht an, daB
unsere Gesellsehaftsordnung uns unfahig macht,
es mit den fremden Vtilkern aufzunehmen. Denn
vvas wilrde au~ Ull~ werden, wenn England irgendwie
aus Indien verlrieben wurde? VVir wurden
nur andern Nationen zum Opfer fallen. Dieselben
sozialen Vbel wurden bestehen bleiben.
Was wir in 1ndien erstreben mussen, ist dies;.
vvir mUssen suchen, mit den sozialen Sitten und
1dealen aufzuraumen, die uns unsere Selbstachtung
genommen und uns von denen, die uns beherrschen,
ganz abhangig gemacht haben - mit
dem Kastensystem und mit der blinden und
tragen Gewolmheil, uns auf die Autoritat von
Traditionen zu verlassen, die heutzutage vernunft.
widrige Anaehrorusmen geworden sind.
Ich lenke noeh einmal eure Aufmerksamkeit
auf die Sehwierigkeiten hin, mit denen Indien
zu kampfen gehabt hat. Sein Problem war da.
Weltproblem im kleinen. lndien hat eine zu
groJ3e Ausdehnung und beherbergt zu versehiedene
Rassen. Es sind in ihm viele Lander in
einen geographisehen Behalter zusammengepaekt.
Es ist gerade das Gegenteil von dem, was Europa
in Wahrheit ist: ein einziges Land, das in viele
Lander zerteilt ist. So hat Europa bei seinem
Waehstum und Fortsehritt den doppelten Vorteil
gehabt: es hatte die Starke der Vielheit und die
Starke der Einheit. lndien dagegen, das von
Natur eine Vielheit und nur dureh Zufall eine
Einheit ist, hat immer unter dem losen Zmammenhang
der ersteren und unter der Sehwache der
letzteren gelitten. 'Wahre Einheit ist wie eine
runde Kugel, sie rollt von selbst und tragt ihr
Gewieht mit Leiehtigkeit; aber Vielheit ist ein
Ding mit vielen Eeken und Kanten, das man
mit aller Kraft ziehen und vorwartsstoBen muss.
Es. muB zu Indiens Rechtfertigung gesagt wer_
den, d~B es diese Vielheit nicht selbst geschaffen
hat; es hat sie von Anfang seiner Geschichte
an als eine Tatsache hinnehmen mussen. In
Amerika und Australien hat Europa sich sein
Problem dadurch vereinfacht, daB es die Urbevolkerung
fast ganz ausrottete. Und noch heute
macht sich diesel' Amrottungsgeist bei den Europaern
bemerkbar, indem sie Fremde ungastlich
ausschlieBen, sie, die selbst als Fremde kamen
in die Lander, die sie llllll beherrschen. Abel'
Indien duldete von Anfang an die Verschiedenheit
del' Rassen, und diesen Geist del' Duldsam_
keit hat es in seiner ganzen Geschichte gezeigt.
In ihm hat auch sein Kastensystem seinen
letzten Grund. Denn Indien hat immer versucht,
eine soziale Einheit zu entwickeln, die
aHe die verschiedenen Volker zusammenhielt und
ihnen doch die Freiheit lieB, die bei ihnen bestehenden
Unterschiede zu wahren. Das Band
war so lose wiemoglich, und doch so fest, wie
die Umstande es gestatteten. So ist etwas wie
em sozialer Bund von Vereinigten Staaten entstanden,
dessen gemeinsamer Name Hinduismust ist.
Indien hat gefuhlt, daB Rassenunterschiede
sein mussen und soHen, was aucll ihre Nachteile
sein mogen, und daB wir nie die Natur in
enge, uns bequeme Grenzen zwingen konnen,
ohne es eines Tages teuer bezahlen zu mussen.
Soweit war Indien im Recht; abel' es bedachte
nieht, daB die Unterschiede, die die Menschen
trennen, nicht wie Gebirgsgrenzen &ind, die fur
immer feststehen, sondern flieBend mit des Lebens
FluB, und Lauf, Gestalt und GroBe wechseln.
Indien erkannte durch seine Kasteneinteilung
die Unterschiede an, abel' nicht die Wandelbarkeit,
die das Gesetz des Lebens ist. Indemes
versuchte, ZusammenstOBe zu vermeiden, steHte
es unbewegliche Mauern als Schranken auf und
gab so seinen zahll'eichen Rassen die negative
Wohltat del' Ordnung und Ruhe, abel' nicht die
positive Moglichkeit del' freien Bewegung und
Ausbreitung. Es lieB die Natur gelten, wo sie
Verschiedenheiten geschaffen hatte, abel' hinderte
sle, diese Verschiedenheiten im ewigen Spiel
ihrer schtipferischen Tatigkeit neu zu wandem.
Es wurde del' Buntheit des Lebens gerecht, abel'
es versfuldigte sich an seiner evvigen Bewegung.
Dnd so entfloh ihm das Leben aus seiner Gesellschaftsordnung,
und Indien betet nun statt
seiner den prachtigen Kafig mit den vielen Abteilen
an, vvohinein es das Lebep sperren wollte.
Dasselbe geschah, als Indien es versuchte, die
ZusammensttiBe del' verschiedenen Handelsinteressen
zu vermeiden. Es wies bestimmte Gevverbe
und Berufe bestimmten Kasten zu. Dies hatte die
Wirkung, daB d,er endlose Neill, und HaB des Wettstreits
fUr imrner beseitigt war, - dieses Wettstreits,
del' soviel Grausamkeiten im Gefolge hat
und die ganze Atmosphare mit Liigen und Betrug
.vergiftet. Abel' auch hierbei legte Indien, das Gesetz
del' Wandlung auBer acht lassend, den ganzen
Nachdruck auf das Gesetz del' Vererbung und
setzte so allmahlich Kunst auf Kunstfertigkeit, und
schtipferische Kraft auf Geschicklichkeit herab.
Was jedoch dem vvestlichen Beobachter entgeht,
ist die Tatsache, daB Indien, .als es das
Kastensystem schuf, mit ganzem Ernst und im
vollen BewuBtsein seiner Verantwortlichkeit daran
ging, das Rassenproblem so zu losen, daB a.lle Reibung
vermieden, und doch jeder Rasse innerhalb
ihrer Grenzen Freiheit gewahrt wurde. \Vir
wollen zugeben, daB Indien dies nicht in vollem
MaBe gelungen ist. Abel' eines miiBt ihr auch
einraumen: daB del' \Vesten, da er in bezug auf
Gleichartigkeit del' Rasse in einer viel giinstigeren
Lage ist, dem Rassenproblem nie seine Aufmerksamkeit
zugewandt hat, und daB er, wenn er
VOl' dies Problem gestellt wurde, sich leicht damit
abfand, indem er es ganz unbeachtet lieB.
So macht er es auch jetzt, wo er die Asiaten
systematisch von den Kilsten dieses Landes fernzuhalten
sucht und sie ihres Rechtes beraubt,
ihren Lebensunterhalt hier ehrlich zu erwerben.
In den meisten eurer Kolonien laBt ihr sie nul'
unter del' Bedingung zu, daB sie die niedern
Dienste von Holzhauern und Wassertragern auf
sich nehmen. Entweder verschlieBt ihr den
Fremden eure Tilren, oder ihr wilrdigt sie zu
Sklaven herab. Dies ist eure Art, das Problem
des Rassenstreites zu losen. Welche Vorzuge
diese Art auch haben mag, ihr werdet zugeben I
mussen, daB sie nicht hiiheren sittlichen Motiven
entspringt, sondern den niederen Leidenschaften
del' Gier und des Hasses. Ihr sagt: So ist die
menschliche Natur. Indien glaubte auch die
menschliche Natur zu kennen, als es seine verschiedenen
Rassen durch feste soziale Rang_
grenzen voneinander absperrte. Abel' wir haben
durch teure Erfahrung gelernt, daB die mensch_
liche Natur nicht cias ist, was sie scheint, SOndem
daB ihre ,'"ahrheit in ihren unendlichen
Miiglichkeiten liegt. Und wenn wir in unserer
Blindheit die Menschheit wegen ihres z"rlumpten
Gewandes .schmahen, so laBt sie diese Verklei_
dung fallen, und wir sehen, daB wir die Gotl_
heit geschmaht haben. Die Erniedrigung, die
wir in unserem Stolz odeI' Eigennutz andel'll antun,
fiHIt auf unsere eigene Menschheit - und
dies ist die furchtbarste Strafe, denn wir spuren
sie erst, wenn. es zu spat ist.
Nicht nur in eurer Beziehung zu fremden
Viilkern, sondern auch in del' Beziehung eurer
verschiedenen Gesellschaftsklassen zueinander habt
ihr keine versohnende Harmonie zustande gebracht.
Der Geist des Kampfes und Wettstreits
darf ungezugelt seinen Lauf nelunen. Und da
er der SproBling vori Habsucht und Machtgier
ist, kann er nicht anders enden als mit gewaltsamem
Tode. In Indien wurde die Herstellung
von Waren unter das Gesetz sozialer Ordnung
gebracht. Ihre Grundlage war Zmammenwirken,
ihr Ziel vollkommene Befriedigung der sozialen
Bedurfnisse. 1m Westen ist Wettstreit ihre Triebkraft
und Erwerb von Reichtum fur die Einzelnen
ihr Ziel. Aber der Einzelne ist wie die
geometrische Linie, die nur Eine Ausdehnung
hat. Sie hat keine Breite und keine Tiefe und
kann nicht irgendetwas umfassen und dauernd
halten. Und daher Hiuft sie ewig suchend und
unbefriedigt fort. Sie kann in ihrer endlosen
Verlangerung andere Linien kreuzen und Ver_
wicklungen verursachen, aber sie wird iIl1mer
dunn Und isoliert bleiben und das Ideal der VolJshindigkeit
nicht erreichen.
Bei allen
unseren physischen Begierden erkennen
wir eine Grenze. Wir wissen, dass, wenn
wir daruber hinausgehen, es anf Kosten unserer
Gesundheit geschieht. Aber hat denn diese Gier
nach Reichtum und Macht nicht auch Grenzen,
jenseits welcher das Reich des Todes ist? Verbrauchen
die westlichen Volker bei diesen nationalen
Karnevalfesten des Materialismus nicht den
groBten Teil ihrer Lebenskraft dabei, daB sie tote
Dinge schaffen statdebendiger Ideale? Und kann
das eine wirkliche Kuhur sein, die das Gesetz
der sittlichen Gesundheit anBer acht liillt und
dadurch, daB sie unaufhaltsam materielle Stoffe
in sich hineinschlingt, zu scheuBlicher Aufgedunsenheit
anschwillt? 1m sozialen Leben sucht
der Mensch seine Begierden zu zugeln undden
hoheren Zwecken seiner Natur zu unterwerfen.
Aber im wirtschaftlichen Leben kennen unsere
Begierden keine anderen Schranken als die von
"Angebot und Nachfrage", und diese kilnnen
kunstlich verriickt werden, so daB der Einzelne
seinen ausschweifenden Gelusten soviel er will
sich hingeben kann. In Indien legten unsere
sozialen Ideale unseren Begierden Zugel an
vielleicht unterdriickten sie sie ganzlich, - im
Westen jedoch treibt der Geist der wirtschaftlichen
Organisation, der kein sittliches Ziel kennt,
die Menschen zum fortwahrenden Jagen nach
ReiChtum; aher ist dem keine heilsame Grenze
gesetzt?
Die Ideale, die sich
in den sozialen Einrichtungen
iu verwirklichen suchen, haben ein doppeltes
Ziel. Einmal solien sie unsere Leidensch\
lften und Begierden zilgeln und dadurch
unsere harmonische Entwicklung milglich machen,
und dann sollen sie uns helfen, in selbstloser
Liebe fUr unsere Mitmenschen zu wirken. Daher
ist die Geselischaft der Ausdruck jenes sittlichen
und geistigen Strehens, dag zur hilperen
Natur des Menschen gehort.
Unsere Nahrung ist schilpferisch, sie baut
unseren Kilrper auf; aber der Wein, der nur aufregt,
ist es nicht. Unsere sozialen Ideale schaffen
die menschliche ''Velt, aber wenn unser Geist
von ihnen abgelenkt wird auf Gier nach Macht,
dann leben wir in einem Zustande des Rausches
und infolgedessen in einer naturwidrigen Welt,
wo unsere Kraft nicht Gesundheit und unsere
Freiheit nul' Ungebundenheit ist. Daher kann uns
die politische Freiheit keine wahre Freiheit geben,
solange del' Geist nicht frei ist. Ein Automobil
kann mil' nicht Freiheit del' Bewegung geben,
weil es eine bloBe Maschine ist. ,Venn ich selbst
frei bin, so kann ich das Automobil im Dienst
memer Freiheit brauchen.
Wir
durfen in del' gegenwartigen Zeit nicht
vergessen, daB die Menschen, die politische Freiheit
erlangt haben, darum noch nicht frei zu
sein brauchen, sie sind nul' machtig.· Die Leiden_
schaften, die ungezugelt in ihnen wirken konnen,
schaffen riesige Organisationen einer Sklaverei,
die sich fur Freiheit ausgibt. Die sich Gelderwerb
als hochstes Ziel gesetzt haben, verkaufen,
ohne daB sie sich dessen bewuBt sind, ihre Seele
dem Reichtum, Bntweder einzelnen odeI' Gemein_
schaften. Jene, die in ihre politische Macht verliebt
sind und sich an del' Ausdehnung ihrer
Herrschaft uber fremde Rassen weiden, liefern
allmahlich ihre eigelle Freiheit und Menschlich_
keit den -Organisatiollen aus, die notig sind, Ul'n
andere Volker in Sklaverei zu halten. In den
sogenannten freien Uindern i5t die Mehrzahl des
Volkes nieht frei; sie wird von der Minderheit
naeh einem Ziel hingetrieben, das sie nicht einmal
kennt. Dies wird nur dadurch moglich,
daB die Menschen die sittliche und geistige Freiheit
nieht als ihr Ziel anerkennen. Sie schaffen
mit ihren Leidenschaften riesige Strudel, und
wenn sie von der bloBen Geschwindigkeit iln'er
wirbelndenBewegung ganz berauseht undschwindc
lig sind, so halten sie dies fUr Freiheit. Aber
.das Verhangnis, das ihrer wartet, ist 50 gewiB
wie der Tod, - denn die VVahrheit des Menschen
ist sittliche Wahrheit, und seine wahre Befreiung
geschieht nur im Geiste.
Die
groBe Mehrzahl der heutigen Nationalisten
in Indien ist der Meinung, daB wir mit der
Entwieklung unserer sozialen und geistigen Ideale
endgultig fertig sind, daB diese Arbeit des Aufbaus
der Gesellsehaft schon 5eit Jahl:tausenden
bei uns getan ist, und daB wir jetzt unsere ganze
Sehaffenskraft in politiseher Richtung betatigen
konnen. Wir denken nicht im entferntesten
daran, unsere gegenwartige Hilflosigkeit auf so-
ziale Unzuliinglichkeit zuriickzufiihren, denn unser
Nationalismus hat den Glauben, daB dies System
schon fiir aIle Zukunft zur Vollendung gebracht
wurde von unseren Vorfahren, die die iibermenschliche
Gabe prophetischen Schauens und
die iibernatiirliche Kraft del' Fiirsorge fUr unendliche
Zukunft hatten. Daher machen ",ir fUr
alles Elend und fiir alle Unzuliinglichkeiten die
geschichtlichen Ereignisse verantwortlich, die
plotzlich von auBen iiber uns hereinbrachen. Und
aus diesem Grunde glauben wir, daB es unsere
einzige Aufgabe ist, ein politisches Wunder von
Freiheit auf dem Flugsand sozialer Sklaverei aufzubauen.
Ja, wir wollen den Strom unserer eigenen
Geschichte abdiimmen und aus den Quellen
del' Geschichte anderer Volker Macht borgen.
Die unter uns, die dem Wahn erlegen sind,
daB politische Freiheit uns frei machen wUrde,
haben di~ Lehre des Westens als Evangelium
angenommen und ihren Glauben an die Menschheit
verloren. Wir miissen bedenken, daB jede
soziale Schwiiche, an der wir festhalten, in del'
Politik zu einer Quelle von Gefahren wird. Die-
selbe Passivitat, die uns bei unseren sozialen Einrichtungen
an toten Formen hangen laBt, wird
in del' Politik stane Kerkermauern urn uns aufrichten.
Die Engherzigkeit, die es moglich macht,
daB wir einem groBen Teil del' Menschheit das
druckende Joch del' Minderwertigkeit auflegen,
wird sich in del' Politik als Tyrannei und Ungerechtigkeit
behaupten.
Wenn unsere
Nationalisten von ihren Idealen
sprechen, so vergessen sie, daB bei uns dem
Nationalismus die Grundlage fehh. Dieselben
Leute, die diese Ideale hochhalten, sind in ihrer
sozialen Hahung die KonselVativsten. Die Nationalisten
sagen z. B.: "Seht die Schweiz, wo sich
trotz del' Rassenunterschiede die Volker zu einer
Nation zusarnmengeschlossen haben." Abel' ihr
miiBt bedenken, daB sich in del' Schweiz die
Rassen vermischen und untereinander heiraten
konnen, wei! sie Eines Stammes sind. In Indien
ist dies nicht del' Fall. Und wenn wir von den
verschiedenen Nationalitaten Europas sprechen,
so denken wir mcht daran, daB dort die Nationen
mcht den physischen Widerwillen gegen-
einander haben wie umere ver>chiedenen Ka>ten.
Gibt es irgendwo in del' Welt ein Bei>piel dafur,
daB Glieder eines Volkes, die ibr BIut nicht
mischen durfen, doch ihr BIut fur einander vergieBen,
es sei denn gezwungen odeI' um Sold?
Undkllnnen wir jemals holIen, daB diese mora_
lischen Schranken, die del' Vermischung unserer
Rassen im Wege stehen, nicht auch ein Hindernis
fur unsere politische Einheit sein werden?
Auch durfen wir nns nicht verhehlen, daB
unsel'e sozialenBeschl'ankungen noch immer so
tyrannisch sind, daB sie die Menschen zu Feiglingen
machen. Wenn mil' jemand sagt, el' habe
ketzel'ische Ansichten, wage abel' nicht, ihnen
zu folgen, weil er sonst gesellschaftlich geachtet
wul'de, so verzeihe ich es ihm, daB er ein unwahres
Leben fiihrt, um ubel'haupt leben zu I
kllnnen. Diesel' bei uns herrschende soziale Geist, I
del' uns dazu tl'eibt, nnseren Mitmenschen das ,.
Leben znr Last zu machen, wenn sie auch nul'
in del' Wahl ihrer Nahrung von uns abweichen, l,
wird sich sichel' in unserel' politischen Organi- j,
sation behaupten und schlieBlich Zwangsmaschi-
nen erzeugen, die jeden vernunftgemaBen Unterschied
und damit jedes wirkliche Leben zermalmen
werden. Und die Tyrannei wird die unvermeidliche
Luge und Heuchelei im politischen
Leben nur noch schlimmer machen. 1st denn
der bloBe Name Freiheit so wertvoll, daB wir
urn seinetwillen unsere sittliche Freiheit opfern
sollen?
Die Wirkung unserer
ausschweifenden Gewohnheiten
zeigt sich noch nicht gleich, wenn wir
noch in der vollen Kraft unserer Jugend sind.
Aber sie zehrt allmahlich diese Kraft auf, und
wenn die Zeit des Abstiegs beginnt, da haben
wir unsere Rechnungen zu begleichen und unsere
Schulden zu bezahlen und stehen bald vor dem
Bankrott. Noch klinnt ihr im Westen den Kopf
hoch tragen, obgleich eure Menschlichkeit aus
dem Rausch organisierender Macht nicht mehr
herauskommt. Auch Indien konnte auf der HBhe
seiner Jugend die Last seiner sozialen Organisationen,
die auf seine Lebensorgane druckten,
tragen und hielt sich tadellos gerade dabei, aber
es ist ihm zum Verhangnis geworden und hat
seine lebendige Natur allmahlich gelahmt. Und
so ist es gekommen, daB die gebiidetell Schichtell
Illdiens keill Gefiihl habell fur serne soziaiell
Note. Sie silld gerade stolz auf die Steifheit
umeres sozialell Riickgrats, - Ulld weil das gesunde
SchmerzgefUhl ill dell Gliedern unseres
soziaiell Orgacismus abgestorbell ist, so lassell sie
sich zu dem Giaubell verleiten, daB alles in
Ordnung sei. Daher glauben sie, daB das politische
Feld jetzt der einzige Spielraum fur alle
ihre Krafte ist. Sie machen es wie jemand, lIessen
Beine eingeschrumpft und unbrauchbar geworden
sind und der sich ernzureden versucht, er fUhle
diese Glieder nicht, weil sie ganz wiederhergestellt
seien, nur die Kriicken seien nicht in
Ordnung.
Dies ist es, was ich
iiber die soziale und politische
Wiedergeburt Indiens sagen wollte. Nun
em Wort iiber seine Industrie. Man hat mich
oft gefragt, ob seit dem Beginn der britischen
Herrschaft die Industrie in Indien sich gehoben
habe. Ich muB daran erinnern, daB die britische
Regierung gleich am Anfang unsere Industrie
unterdruckt hat und daB wir seit der Zeit kllinerlei
wirkliche Hilfe oder Ermutigung gefunden haben,
uns den ungeheuren Handelsorganisationen der
modernen Welt gegenUber zu behaupten. Die
Nationen haben entschieden, daB wir ein ledig_
lich ackerbautreibendes Yolk bleiben \md sogar
den Gebrauch der Waffen fUr aile Zeiten verlernen
sollen. So wird Indien in eine Reihe
leicht verdaulicher Bissen verwandelt, die jede
Nation, auch wenn sie ein noch so unentwickeltes
GebiB hat, zu jeder Zeit verschlucken kann.
Indien hat daher wenig Gelegenheit, seine
Originalitat auf dem Gebiete der lndustrie zu
zeigen. Ich meinesteils glaube nicht an die plumpen
Riesenorganisationen unserer heutigen Zeit.
Schon die Tatsache ihrer HaBlichkeit zeigt, daB
sie in Disharmonie mit der ganzen SchOpfung
sind. Die groBen Kriifte der Natur offenbaren
ihre Wahrheit nicht in HiiBlichkeit, sondern in
Schonheit. Schonheit ist das Siegel, das der
Schopfer unter seine Werke setzt, wenn er mit
ihnen zufrieden ist. Aile unsere Erzeugnisse, die
die Gesetze der Vollkommenheit frech verletzen
und sich scharnlos in ihrer haJ31ichen Plumpheit
zeigen, sind bestandig unter dem Gewicht von
Gottes Zorn, Wenn euer Handel nicht die Wiirde
der Schonheithat, ist er unwahr. Die Schon.
heit und ihre Zwillingsschwester die Wahrheit
brauchen zu ihrer Entfaltung MuBe und Selbst.
beherrschung, Aber die Gewinnsucht kennt keine
Schranken, wenn sie sich nur ausdehnenkann.
Ihr einziges Ziel ist Hervorbringen und Ver.'
schlingen, Sie hat weder Mitleid mit der scMnen
Natur noch mit lebendigen menschlichen Wesen.
Sie ist unbarmherzig bereit, ohne auch nur einen
Augenblick zu zogern, Schlinheit und Leben zu
zermalmen und sie zu Geld zu machen. Diese
haBliche Roheit im Handel stand in Verachtung
bei unseren Vorfahren, die noch MuBe hatten,
das Idealbild der Menschheit ruhigen, ungetriibten
Blickeszu schauen. Die Menschen jener Zeiten
schiimten sich mit Recht des niederen Triebes,
der nur auf Gewinn geht. Aber in unserem
Zeitalter der Naturwissensthaften hat das Geld
durch das Gewicht seiner Masse sich den Thron
erworben. Und wenn es nun Vom Gipfel seiner
aufgehauften Schatze' aus diehoheren Instinkte
des Menschen verhohnt und die Schonheit und
aBe edlen GefUhle ausseiner Nahe verbannt, so
unterwerfen wir uns ihm. Denn wir haben uns
in unserer Armseligkeit von ihm bestechen lassen,
und unsere Einbildungskraft, von seinem Riesenumfang
uberwaltigt, kriecht VOl' ihm im Staube.
Aber gerade diesel' Riesen,umfang und seine
endlose Kompliziertheit sind sichere Zeichen seines
Versagens und' seiner inneren Schwache. Ein
geubter Schwimmer zeigt seine Muskelkraft nicht
durch heftige Bewegungen; seine Kraft ist unsichtbar
und auJ3ert sich in vollkommener Anmut
und Ruhe. Was den Menschen vom Tier
unterscheidet, ist seine innere Kraft und sein
innerer Wert, die beide nicht von auJ3en sicht"
bar sind. Abel' die heutige Handelskultur braucht
nicht nul' zu viel Zeit und Raum, sondern tOt..,t
Zeit und Raum. Ihre Bewegungen sindheftig,
ihre Stimme laut und miJ3tOnend. Sie tragt
ihren Fluch in sich, weil sie die Menschheit, auf
del' sie steht, zu einer unformlichen Masse zertrampelt.
Sie ist rastlos bemuht, Gluck in Geld
umzuwandeln. Der Mensch sucht seine Mensch-
liphkeit in die kleinste Ecke zusammenzudrucken,
Ulp fUr ihre Organisation ausgiebigen Raum zu
schaffl'n. Er spottet seine menschlichen Gefuhle
zuschanden, wei! sie seinen Maschinen im Wege
sein konnten.
In unserer
Mythologie haben wir die Sage,
daB del', del' sich Kasteiungen auferlegt, um die
Unsterblichkeit zu gewinnen, Versuchungen zu
bestehen hat, die ihm von Indra, dem Herro del'
Unsterblichen, geschickt werden. Wenn er sich
von ihnen verlocken laBt, ist er verloren. Del'
'Vesten hat seit lahrhunderten nach Unsterblichkeit
gestrebt. Inclra hat ihm die Versuchung
geschickt, um ihn zu prilfen. Diese ungeheure
Versuchung heiBt Reichtum. Del' Westen hat
nicht widerstanden, und seine m, enschliche Kuhur
hat sich in del' Wilste des Maschinenwesens
verirrt.
Diesel' Handelsgeist
mit seinem barbarisch haBlichen
Schmuck ist eine furchtbare Gefahr fill'
die ganze Menschheit, weil er das Ideal del' Macht
ilber das del' Vollkommenheit steUt. Er laBt den
Kultus del' Selbstsucht III schamloser Nacktheit
triumphieren. Unsere Nerven sind zarter al.
unsere Muskeln. Das Feinste und Wertvollste
in uns wird hilflos und schwach, wenn wir ihm
den Schutz nehmen, den es gerade wegen seiner
Feinheit braucht. Wenn daher die gefiihllose,
rohe Macht in blinder Wut iiber die StraBe del'
Menschheit hinstiirmt, so verscheucht sie durch
ihre Roheit die Ideale, die wir in jahrhundertelangem
Martyrium gehegt haben.
Die
Versuchung, die schon dem Starken verhangnisvoll
ist, wird es dem Schwachen noch
mehr. Und daher kann ich sie bei uns in Indien
nicht willkommen heiBen, wenn auch del'
Herr del' Unsterblichen sie gesandt hat. LaBt
unser Leben einfach in seiner auBeren Erscheinung
und reich an iunerem Gewinn sein. LaBt
unsere Kultur sich auf die feste Basis sozialen
Zusammenwirkens griinden, und nicht auf Kampf
und wirtschaftliche Ausbeutung. Wie wir dies
heute konnen, wo wir in den Zahnen des wirtschaftlichen
Drachens sind, del' unser Lebensblut
aussaugt, dies zu finden, ist die Aufgabe der
Denker aller ostlichen Volker, die an die mensch_
liche Seele glauben. Es ist ein Zeichen Yon Ohn_
macht und Tragheit, wenn wir Lebensbedingungen
annehmen, die andere mit andern Idealen uns
auferlegen. Wir sollten uns aufraffen und die
Krafte del' Welt uns dazu dienstbar machen,
unsere Geschichte zu ihrem eigenen Ziel, del'
Vollkommenheit, zu fuhren.
Aus
dem Gesagten wird man sehen, daB ich
kein Volkswirtschaftler bin. Ich will zugeben,
daB es ein Gesetz von ,Angebot und Nachfrage
gibt und daB del' Trieb des Menschen immer
dahin geht, mehr haben zu wollen, als gut fur
ihn ist. Und doch halte ich an meinem Glauben
fest, daB es so etwas gibt wie die Harmonie vollen
Menschentums. Wel' sie hat, del' ist reich bei
aller Armut, er ist Sieger, wenn er auch besiegt
wird, ihn fUhrt del' Tod zur Unsterblichkeit, wo
die ewige Gerechtigkeit seine Schmach in strahlen-
den Triumph wandelt.
(Who
has that is rich in all poverty, he has won, even if it is defeated,
it leads to the death to immortality, eternal justice where his
shame is transformed into radiant triumph.)
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